Raum im Raum: Akustische Lösungen für die Anforderungen unserer Zeit
Von Eduardo Souza.
Arbeits- und Lernumgebungen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert. In Büros sind abgeschirmte Arbeitsplätze und kleinteilige Raumstrukturen offenen, auf Zusammenarbeit ausgerichteten Konzepten gewichen. In Schulen und Hochschulen wurden traditionelle Unterrichtsräume mit starren Raumaufteilungen, Tafeln und Tischreihen durch dynamischere, flexiblere und interaktive Lernräume ersetzt. In beiden Fällen ging es darum, Gemeinschaft, Kreativität und einen kontinuierlichen Austausch zu fördern. Doch diese Offenheit hat auch neue Herausforderungen mit sich gebracht: mehr Ablenkung, Reizüberflutung und die Schwierigkeit, Raum für Konzentration oder innere Einkehr zu finden. Je mehr Barrieren wir zugunsten fließender Übergänge und gemeinschaftlichen Arbeitens abbauen, desto wichtiger werden Möglichkeiten für Ruhe, Rückzug und ein ausgewogenes Maß an Sinneseindrücken – insbesondere für Menschen, die ihre Reize und ihr Aktivitätsniveau selbst regulieren müssen. Die Herausforderung ist räumlicher und psychologischer Natur zugleich. Sie wirft eine grundlegende Frage für die Architektur auf: Wie lassen sich Begegnung und Rückzug, Aktivität und Stille gleichermaßen ermöglichen?

Diese Frage ist eng mit dem japanischen Konzept des ma verbunden: dem Raum zwischen den Dingen, der Stille zwischen den Tönen und der Pause, die dem Sprechen seinen Rhythmus gibt. In der Architektur beschreibt ma den Zwischenraum als aktives Element, das die Umgebung gliedert und ihre Qualität prägt. In der Innenraumgestaltung kann sich dieser Gedanke in kleinräumigen Bereichen ausdrücken, die Übergänge, akustischen Schutz und unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten bieten. Das dänische Unternehmen DAMPA hat diesen Ansatz mit DAMPA® Space weiterentwickelt. Das modulare System funktioniert als „architektonisches Möbel“ und schafft innerhalb größerer Räume temporäre Bereiche für Konzentration und Austausch. Es wurde in Zusammenarbeit mit Kjær & Richter und Holmris B8entwickelt und besteht aus einer wandmontierten Konstruktion, die sich ausklappen lässt. So entstehen kleine Nischen, Arbeitsplätze, Ausstellungsbereiche oder Rückzugsorte.
Liv Bach Henriksen, Architektin MAA und Leiterin des Bereichs Lernumgebungen bei Kjær & Richter, erläutert: „Die Idee hinter der Wahl von DAMPA® Space war, ein Produkt zu schaffen, das nicht nur die Akustik verbessert, sondern auch die Gestaltung von Räumen im Raum ermöglicht. In großen, offenen Umgebungen fehlen häufig flexible Lösungen, die Abschirmung bieten, ohne den Raum zu dominieren. Space wurde gezielt entwickelt, um diesem Bedarf gerecht zu werden – insbesondere in Lernumgebungen, in denen unterschiedliche Zonen vielfältige Aktivitäten unterstützen und zugleich zur Inklusion beitragen sollen.“

Konstruktiv besteht DAMPA® Space aus gebogenen Metallpaneelen mit einer Perforation von Ø 4 mm, einem offenen Flächenanteil von 40 % und einem 30 mm starken Steinwollkern. Der technische Aufbau basiert auf dem System DAMPA® Silent Board. Diese Kombination erreicht die Schallabsorptionsklasse A mit einem bewerteten Schallabsorptionsgrad αw von 0,95 nach EN ISO 11654 – die höchste Schallabsorptionsklasse. Die Konstruktion besteht aus 2 mm starkem Stahl und verfügt über eine Tischplatte aus 18 mm starkem, FSC-zertifiziertem Sperrholz. Optional ist eine 6 mm starke, FSC-zertifizierte Bulletin Board-Rückwand erhältlich, die als Pinnwand genutzt werden kann. Die Materialien erfüllen Anforderungen an das Brandverhalten – Klasse B-s1, d0 für die Metallkomponenten – sowie an die Dauerhaftigkeit mit Korrosionsklasse B nach EN 13964. Darüber hinaus wurde die Lösung unter Nachhaltigkeitsaspekten entwickelt: Recycelbares Aluminium und Stahl sowie demontierbare und wiederverwendbare Komponenten unterstützen zirkuläre Gestaltungsansätze.
Mit diesen Eigenschaften eignet sich das System besonders für Bildungs- und Arbeitsumgebungen, die Flexibilität erfordern. Henriksen erklärt: „Mit DAMPA® Space können wir akustische Zonen schaffen, ohne den Raum abzuschließen. Die Elemente erreichen die Schallabsorptionsklasse A. Ausgeklappt bieten die Paneele sowohl eine akustische als auch eine visuelle Abschirmung. Werden sie nicht benötigt, lassen sie sich einfach wieder einklappen, sodass der Raum offen und flexibel bleibt. Dadurch können die Raumfunktionen laufend angepasst werden, ohne die gestalterische oder räumliche Einheit zu beeinträchtigen.“
Wie sinnvoll die Lösung ist, zeigte sich im Kultur- und Gemeinschaftshaus Høje-Taastrup, wo sie erstmals erprobt wurde. Rückblickend berichtet Henriksen: „Die Herausforderung bestand darin, flexible Nischen in einem Haus zu schaffen, das für viele unterschiedliche Zwecke genutzt wird. Mit Space können wir kleine Arbeitsplätze entlang der Wand einrichten, die Kinder selbst ausklappen und wieder verstauen können. So können sie sich den Raum zu eigen machen und erleben etwas Vertrautes, weil sie ihren eigenen kleinen Bereich einrichten können – auch wenn sie zwischen verschiedenen Räumen wechseln. Gleichzeitig reduziert Space sowohl akustische als auch visuelle Unruhe und schafft Ruhe, ohne große Teile des Raumes zu beanspruchen.“

Neben den technischen Eigenschaften und der räumlichen Flexibilität legt das Design Wert auf die individuelle Gestaltung. Die Metallelemente und die Rückwand jedes Moduls lassen sich in unterschiedlichen Farbkombinationen ausführen. Henriksen betont: „Die Farben von DAMPA® Space sind als aktiver Bestandteil des Designs gedacht. Sie können sich nahtlos in die Wand einfügen und für eine dezente Integration sorgen oder dem Raum Charakter und Lebendigkeit verleihen. Die Rückwand kann beispielsweise in einer Kontrastfarbe gestaltet sein, die beim Öffnen der Paneele eine neue Wirkung entfaltet. Die Farben wurden sorgfältig aufeinander abgestimmt und ermöglichen unzählige Kombinationen. Zugleich können sie als Farbleitsystem dienen und Kindern sowie anderen Nutzenden helfen, den Raum zu verstehen und sich darin zu orientieren. So wird Space sowohl zu einem akustischen Werkzeug als auch zu einem Gestaltungselement, das das Gesamterlebnis bereichert.“
Durch die Verbindung von hoher akustischer Leistungsfähigkeit, flexibler Nutzung und einer durchdachten architektonischen Gestaltung bietet DAMPA® Space eine technisch fundierte und zugleich dem Menschen zugewandte Antwort auf die Anforderungen heutiger Räume. Wie Henriksen zusammenfasst, ist es „eine Lösung, die Offenheit und Rückzug, Dynamik und Pause, Klang und Stille miteinander in Balance bringt – und sich dabei jederzeit an die Funktionen des Raumes anpassen lässt.“
Ursprünglich auf ArchDaily veröffentlicht.